Simret Restle-Apel - Simi's Homepage - News
Simret Restle-Apel kann nach Horrorsturz schon wieder gehen Drucken E-Mail
Dienstag, den 17. Mai 2016 um 12:06 Uhr

Abschied nach drei Monaten: Simret Restle-Apel (Mitte), umrahmt unter anderem von ihrer Physiotherapeutin Barbara Böttcher (links) und dem behandelnden Chefarzt Prof. Klaus Wenda, konnte diese Woche die HSK verlassen und absolviert nun ihre Reha in Heidelberg. Foto: Rainer Apel

Von Tobias Goldbrunner

HEIDELBERG - „Es sind schon 50 Meter“, platzt es aus Simret Restle-Apel heraus. Stolz und glücklich, nachdem sie den Gang rauf und runter gelaufen ist. Die 32-Jährige hält sich sicher an der Gehhilfe fest, ihre Physiotherapeutin Barbara führt sie am Arm. Es sind viele kleine Tippelschritte, aber Restle-Apel macht diese ganz alleine. Was einem Wunder gleich kommt. Schließlich ist die Marathonläuferin aus Wiesbaden, die über Jahre hinweg zu den besten in Deutschland zählte, Mitte Februar schwer verunglückt.

Gleich fünf Mal operiert

Restle-Apel stürzte vom Dach eines Hotels, schlug in 15 Meter Tiefe auf dem Betonboden auf. Die frühere Deutsche Meisterin zog sich Dutzende von Knochenbrüchen zu, der siebte Halswirbel wurde komplett zerschmettert. Die Rippen bohrten sich so tief in die Lunge, dass Restle-Apel um ein Haar noch an der Unfallstelle verblutet wäre. „Der Notarzt hat Großartiges geleistet, nur dank ihm hat sie es noch in die Klinik geschafft“, erzählt Ehemann Rainer Apel, selbst Orthopäde. Die 32-Jährige wurde in den ersten Tagen fünf Mal operiert. Überlebte. Und kämpft sich jetzt peu à peu in ein normales Leben zurück. Erfolgreicher als die Ärzte es vor Wochen noch erhofft hatten. „Ich bin fest davon überzeugt“, meint Restle-Apel, „dass ich irgendwann wieder mit meinen alten Teamkameraden trainieren kann. Vielleicht werde ich mit denen laufen, die früher langsamer als ich waren, aber ich werde wieder laufen.“

Die gebürtige Eritreerin, die seit 2002 in Wiesbaden lebt, spricht mit fester Stimme. Auch das war lange nicht möglich. Die Stimmbänder waren fast zwei Monate gelähmt. Wie so Vieles in ihrem Körper. „Doch nun klappt jeden Tag mehr“, freut sich Restle-Apel. „Ich kann das Leben wieder genießen. Ein zweites Leben, das mir geschenkt wurde“, meint die EM-Teilnehmerin, die so vielen Menschen so dankbar ist: „Mein Mann kam jeden Tag zu mir ins Krankenhaus, genauso wie unzählige Freunde. Sie haben mir Kraft gegeben.“ Gleiches gelte für ihre Physiotherapeutin Barbara Böttcher, die täglich mehrere Stunden mit ihr gearbeitet hat. Und Restle-Apel auch in der Reha in der Heidelberg unterstützen wird. Die 32-Jährige durfte die Helios-Horst-Schmidt-Kliniken, wo sich das Team um Chefarzt Prof. Klaus Wenda wochenlang intensiv um die Topathletin gekümmert hat, am Donnerstag verlassen.

An den Unfall hat Restle-Apel keine Erinnerungen mehr. „Ich weiß nur noch, dass mir in den Tagen vorher das Schicksal meines Bruders zugesetzt hat“, berichtet die 32-Jährige. Ihr Bruder wurde im Sudan entführt, Restle-Apel war selbst an den Lösegeldgesprächen beteiligt. „Der emotionale Stress war enorm“, schildert Restle-Apel. Wie sie am schicksalhaften Abend auf das Hoteldach kam, weiß sie nicht mehr. Die Polizei kann ebenfalls keine näheren Angaben zum Unglückshergang machen. „Als ich zu mir kam, war ich im Krankenhaus, aber auch das kommt mir vor wie ein ferner Traum“, erläutert die Wiesbadenerin. Und fügt hinzu: „Entscheidend ist für mich, dass ich jetzt nach vorne blicke.“ Geholfen habe ihr, dass sie fast ihr ganzes Leben Profisportlerin war. „Mein Körper war daher sehr robust und mein Wille unerschütterlich“, so die Langstreckenläuferin, die für den PSV Grün-Weiß Kassel startet. Vor ihrem Unfall hatte sie eigentlich zur LAZ Puma Rhein-Sieg wechseln wollen. „Ich bleibe aber meinem Verein treu. Alle Mitglieder haben in den vergangenen Wochen auch so viel für mich getan. Das werde ich nie vergessen.“

Quelle: Wiesbadener Kurier - Leichtathletik: Simret Restle-Apel kann nach Horrorsturz schon wieder gehen (Wiesbadener Kurier, 14.05.2016)